Klassifizierung von Weingüter – Einsatz von Vollernter

Ich möchte die hiesige Herbstsituation zum Anlass nehmen und eine provokante Frage stellen:

“Dürfen Betriebe, die in den Weinführern als Beste Betriebe Deutschlands gelten auch für einfachere Qualitäten den Vollernter verwenden?”

Bzw.

“Welcher Stellenwert hat die Handlese bei der Beurteilung und Kategorisierung eines Betriebs?”

Ist also die manuelle, penible Arbeit im Weinberg nichts wert… und Alles dreht sich nur um das Weinmachen und cuvieren, wie es Dirk Würtz beschrieben hat?

Grund für diese Fragen ist das “nicht” vorhanden sein einer bestimmten Frage bei der Ausfüllungen der Betriebsformulare bei den Marktleitenden Weinführer:

“Werden Trauben für Ihren Betrieb mit dem Vollernter geerntet?”

Für Alle interessierte Leser… Stellen Sie doch einfach diese Frage ihrem Lieblingswinzer und hoffen Sie dass er nicht heimlich morgens um halb sechs die Trauben abschlagen lässt…

Grundsätzlich habe ich kein Problem mit dem Einsatz eines Vollernters, fallende Weinpreise zwingen die Winzer zu mehr Effizienz und Kostenersparniss. Deshalb betrifft diese Frage nur die publizierten besten Betriebe, die eh genügend hohe Erlöße für Ihre Weine erzielen.

About Patrick

Patrick Johner
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.
  • -.-

    Spielt die ganze Diskussion denn eine Rolle, wenn die Weinqualität die gleiche bleibt?

  • http://www.johner.de Patrick

    Es kommt eben darauf an, wie der komplette Ablauf von Auspflanzung bis Abfüllung aussieht. Wenn in der Kette mehrere low cost Einsparungen durchgeführt werden, dann gebe ich Dir vollkommen recht. Aber mir geht es um die Spitze! und der Frage nach der Gesamtbetrieblichen Aufklärung.

  • http://www.weinding.de Frank

    Wichtig ist doch nur was dabei rauskommt!

  • Gisela

    Hallo Patrick,
    ich traue den Vollerntern nicht, ich denke, da wird viel Schindluder mit getrieben. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren, wenn ich die Arbeit meines Vorzugwinzers kenne. Handarbeit und Qualität haben natürlich ihren Preis, aber wenn es schmeckt, dann lieber etwas weniger, dafür aber besseres trinken.
    Gisela

  • http://www.voelkerwein.de Michael Völker

    Ich finde, dass ist noch nicht differenziert genug. Es sind doch zwei Aspekte, dazu in aller Kürze:

    1. Ehrlichkeit und Tranparenz: Vertuschen ist einfach mies und zerstört das Vertrauen zum Weinproduzenten. Wenn ich weiß, dass dahingehend unehrlich kommuniziert wird – woher weiß ich dann, dass nicht auch im Keller geschummelt wurde? Dass er nicht heimlich verschnitten oder mit künstlichen Aromastoffen angereichert wurde?

    2. Natur- versus Industrieprodukt: von einem Naturprodukt erwarte ich natürlich, dass die Produktionskette so naturnah wie irgend möglich durchlaufen wird. Unser Weingut versucht, das in vielen Schritten umzusetzen. Bei manchen Weinen wird trotzdem ein Vollernter eingesetzt. Das werden trotzdem gute, manchmal sehr gute Weine, aber sie haben keine Chance, zur absoluten Spitzenklasse gehören zu können. Warum? Weil ein Spitzenwein nach Kriterien der Kunst bewertet wird.
    Große Worte, aber ich vergleiche die industrielle Produktion eines Weines mit einem gedruckten Bild von IKEA. Das kann toll aussehen, ist aber keine Kunst (die Diskussion gab es vor einigen Jahrzehnten mit Andy Warhol). Und deshalb schadet jeder aus ökonomischen Gründen eingesetzte Schritt der Industrialisierung der »künstlerischen« Qualität.
    Und deshalb stimme ich dem Post zu: ein absoluter Spitzenwein muss ein im höchsten Maße naturnaher Wein sein, also auch ohne Vollernter gelesen werden.

    Ich bin der Meinung: wer beim Wein sagt, es kommt nur auf’s Ergebnis an, steht auch in einer Galerie und sagt »das könnte mein Kind gemalt haben«. Wer dieser Meinung ist muss zugeben, dass er an Kunst kein Interesse hat. Dann finde ich diese Einstellung meiner Vor-Kommentatoren auch in Ordnung.

  • -.-

    Wer bezahlt im Basissegment die mühevolle Handarbeit, und vor allem wer schmeckt dort den Unterschied zwischen Hand- und Maschinenlese?
    Welchen Status hat bei euch eigentlich ein Vollterner?!? Vergleichbar mit einem Ufo, oder wieso werden in gleichem Atemzug künstliche Aromen, Ehrlichkeit und Panscherei genannt.
    Im Premiumbereich stimme ich euch vollkommen zu, dort führt kein Weg an einer Handlese vorbei.

    PS: Ich bin am überlegen meinen Traktor zu verkaufen, die Bodenverdichtung ist einfach nicht mehr tragbar, ein Pferd tut auch seinen Dienst und ist künstlerisch auf jeden Fall ansprechender ;)

  • http://www.johner.de Patrick

    Hallo -.-,

    leider handelt dieser Artikel von den besten Weinbaubetriebe in Deustchland. (laut Weinführer)

    Da wird nach Öko, Biodynamisch, Barriques usw. gefragt, aber nie nach Umfang der manuellen Arbeit…

  • http://michael-liebert.de/weintipps Michael Liebert

    Klare Frage, klare Antwort: NEIN

    Bei einfachen Qualitäten kommt man sicherlich am Vollernter nicht vorbei, aber bei den besten Winzern des Landes? Bei der Handlese geht es nicht um naturnah oder naturverbunden, sondern um eine klare Selektion des Traubenmaterials, direkt am Stock. Es setzt also auch voraus, dass die Erntehelfer nicht im Akkord bezahlt werden und wie ein Vollernter alles mitnehmen, was dranhängt.

    Warum auch bei den einfachen Qualitäten? Da kommt dann wohl auch die Glaubwürdigkeit ins Spiel. Wer von den Nachbarn und Kunden weiß denn schon, welche Partie hinter für welchen Wein verwendet wird? Führe mich nicht in Versuchung, wie es schon im Vaterunser heißt…

    Es sollte eine klare Entscheidung sein, Elite bzw. absolute Qualitätsorientierung und Topqualität kann es mit dem Vollernter nicht geben!

    Lieben Gruß