Aufräumen – Neuanfang – Wein Plus

Es ist nun mal leider so, dass sich viele Kunden an Wein-Führer orientieren. Ich sehe es vor Allem auch bei privaten Weinblogger, die darin hochbewertete Weine nachkaufen um selbst darüber zu berichten. Deshalb macht es in Zukunft keinen Sinn diese zu ignorieren und im Ranking Raster herauszufallen. Ja genau Ranking. Neulich habe ich via Twitter einen Weinshop entdeckt, der nur Weine verkauft, die in Allen Weinführer gut abschneiden. Darin wird auch Wein-plus berücksichtigt.

Doch erst einmal zurückspulen… was war passiert…

Ende der 90er, als Wein-plus entstand, reiste Marcus Hofschuster durch die ganzen Deutschen Weinbauregionen, stellte sich vor und verkostete die Weine. Am Anfang hatte er auch unsere Weine überraschend gut bewertet, doch bemängelte er auch, dass der erhöhte Gehalt an Kohlensäure in unseren Weissweinen bei Ihm nicht gut ankommen würde. Zur Aufklärung möchte ich hier mitteilen, dass diese Kohlensäure extrem wichtig war, damit die Weine unter Naturkork langlebig waren. Ein Faktor, den man als Produzent berücksichtigen sollte, der aber für einen Verkoster, der das “Jetzt” überprüft jedoch vollkommen egal ist.

Der Gipfel schoß er dann Allerdings bei der Bewertung unseres 2001er Blauer Spätburgunder »SJ« ab.
Hier seine Verkostungsnotiz aus 2004…

Unter meinen Kunden gab es einen großen Aufruhr. Keiner konnte diese Bewertung verstehen. Marcus Hofschuster blieb bei seiner Aussage und seine Position als Chefweinverkoster stärkte Ihn in seiner vernichtenden Haltung.

Jetzt mag wohl der Leser sich fragen, warum wir uns nicht einfach diese Bewertung akzeptiert haben?
Statt dessen sandten wir einfach keine Weine mehr an Wein Plus zur Verkostung ein.

Ganz einfach. Im Januar 2004 gab es in Wellington Neuseeland eine hochkarätige Weinprobe mit internationalen Pinot Noirs.
Eine Übersicht der Verkostungsergebnisse finden sie bei Wine of the Week von Sue Courtney
Bei der Weinprobe wurde genau dieser 2001er Blauer Spätburgunder »SJ« verkostet und verursachte beim frischen einschenken in die Gläser großes Naserümpfen…
… Doch dann entwickelte er sich im Glas und zeigte die Facetten, die nur große Burgunder haben …
Am Ende stand Michel Bettane auf und gratulierte uns zu diesem großartigen Pinot Noir.
Etwas später wurden wir in der “la Revue du Vin de France” als eines der besten Weingüter der Welt (außerhalb Frankreichs) betitelt. Siehe diesen Auszug.
(Hmmm… muß ich für diese Fotokopie im Netz eine jetzt eine Lizenzgebühr entrichten?)

Daraufhin kamen viele neue Kunden aus Belgien (die Franzosen haben einfach einen zu hohen nationalen Stolz) zu uns und kauften diesen Wein.

Das letzte halbe Jahr hat uns Winzer jedoch gezeigt, dass man sich höflich aufbegehren und medialen Druck auf Verkoster ausüben kann. Sogar solch ein kleiner Artikel wie dieser hier reicht aus, um etwas zu bewegen.
Nur möchte ich in diesem Falle mich wieder auf Weinplus zubewegen. Ich hatte zwar immer gehofft, dass sich Utz Graafmann einen zweiten Verkoster für Deutschland leisten kann, damit diese höchst subjektive Bewertungen eine zweite Meinung erhalten. Da dies nicht absehbar ist, muß ich in Zukunft schauen, dass die Weine das Geschmacksprofil von Marcus Hofschuster noch besser treffen. #Hofschusterisierung ähnlich #Parkerisierung

Da ich leider kein ABO bei Weinplus besitze, (Ich hoffe doch sehr, dass es keinen Zusammenhang zwischen Abonnent und Weinbewertungen gibt), kann ich nicht erkennen, welche Stilistik er bevorzugt ;-).
Damit spreche ich ganz bewusst Weinblogger an, die mich hierzu etwas aufklären könnten …
… oder vielleicht gibt es einen önologischen Berater, der vermittelt werden möchte ? …

About Patrick

Patrick Johner
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  • http://pasta.over-blog.com/ Pasta

    Es nutzt dir gar nichts wenn du „Hofschuster-Weine“ machst. Die Franzosen müssen dir deinen Wein abkaufen, dass ist der Ritterschlag :-)) , da kann dann der Sam reden was er will!

  • http://weinverkostungen.de Thomas Günther

    Ich würde keinem Winzer empfehlen, Weine speziell für bestimmte Verkoster zu machen. Die bezahlen i.d.R. nicht für die Flaschen. Der Wein muss den Kunden schmecken und zugleich eine Eigenständigkeit/Ausdruck des Winzers enthalten.

    Was die Wettbewerbe und Punkte anbelangt: Die werden – vor allem von Winzern – viel zu wichtig genommen. Es gibt immer mehr jüngere Wechseltrinker und die können immer weniger mit den Guides anfangen, da diese nur einen sehr geringen Teil der am Markt befindlichen Weine abdecken. Das ist bei Wein-Plus nicht anders.

    Vieles dreht sich da in einer deutschen Szene um sich selbst. Und was ist mit Konsumenten, die eine Flasche mit irgendeiner Medaille sehen und vor dem Regal sagen “Oh schau mal, der hat bei … Gold bekommen, den nehmen wir”? Meistens kennen solche Kunden die Wettbewerbe nicht einmal.

    Entweder man macht da also gar nicht mit und spart sich das Geld (z.B. für gutes Marketing) oder man meldet seine Weine einfach überall an. Irgendwo wird schon Gold dabei rauskommen. Das ist die große Wein-Preis-Lotterie. Und wo man Gold oder viele Punkte bekommen hat, das druckt man dann auf die Flasche. Seinen ProWein-Stand kann man dann nach diesem Konzept gestalten:
    http://weinverkostungen.de/die-urkunde-vom-grossen-weinpreis/

  • http://www.wuertz-wein.de Dirk Würtz

    “Hofschuster-Weine”???? Es wird ja immer besser! Da ich weiss was ihm schmeckt, könnte ich Dir ja helfen :-) Am Besten machst Du für alle derartigen “Projektweine” dann auch ein eigenes Etikett. Irgendwas mit Gleitcreme am Besten ;-)

  • http://vinissimus.freudenthaler.name vinissimus

    Sg. Herr Johner,

    ich kenne weder ihre Weine noch die ihnen zu eigene Stilistik. Warum sie diese aber an den Geschmack eines einzelnen Verkosters eines Weinportal anpassen wollen, erschließt sich mir aus ihrer Argumentation nicht wirklich.
    Als Konsument erwarte ich mir Weine, welche das Profil und das Weinverständnis des Produzenten (samt regionaler Tradition) widerspiegelt, nicht eine Annäherung an den aktuellen Zeitgeschmack!

    Im übrigen bin ich der Meinung, daß sich ein großer Pinot Noir sowieso nicht “anpassen” läßt.

  • http://Wein-Plus.de Marcus Hofschuster

    Hallo Patrick,

    dann fange ich auch von Anfang an:

    Zunächst einmal: es könnte vielleicht unbeabsichtigt der Eindruck entstehen, ich hätte die Weine damals vor Ort bewertet, das ist natürlich nicht der Fall, auch damals musste man uns die Weine zusenden.

    Dass mich die Kohlensäure persönlich störte, ist wahr, allerdings habe ich die Weine dennoch sehr hoch bewertet. Dadurch wird hoffentlich klar, dass man keineswegs Weine machen muss, die mir persönlich besonders gut schmecken, um ausgezeichnete und hervorragende Bewertungen erhalten.

    Das Argument mit der Haltbarkeit unter Kork ist für mich wenig stichhaltig. Weder in großen Burgundern noch in langlebigen weißen Burgunderweinen aus anderen Regionen findet man in der Regel so präsente Kohlensäure, vor, wie in den damals von mir probierten Johner-Weinen – doch das nur am Rande.

    Die Probleme, die ich mit dem Spätburgunder hatte, kann man aus der Kostnotiz einwandfrei herauslesen: der Wein war stark holzbetont, malzig-überreif und hatte vor allem einen massiven Sauerkrautton – und das bei zwei Proben aus verschiedenen Flaschen. Auch Tage der Belüftung änderten daran nichts.

    Wenn sich der Wein exzellent entwickelt hat seit damals – um so besser. Erkennbar war diese Entwicklung damals nicht. Da es bei mir/uns jedoch keinen Große-Namen-Bonus gibt, da wir auch bei bekannten Namen nicht die Augen zu drücken und einfach hoffen, dass der Wein schon irgendwie wird, blieb damals nichts anderes übrig als den Wein danach zu beurteilen, wie er sich im Glas präsentierte.

    Dabei bewerten wir keineswegs nur solche Weine hoch, die sich zum Zeitpunkt der Probe in Bestform befinden, das lässt sich mit einem Blick in den Weinführer ganz leicht beweisen. Dieser Wein jedoch hatte – bei aller erkennbaren Substanz – offensichtliche Fehltöne, also was hätte ich anderes tun können, als den Wein entsprechend zu bewerten?

    Im Übrigen würde hier auch “öffentlicher Druck” nichts helfen. Ich bin jederzeit bereit, beanstandete Weine nachzuprobieren. Gerne auch mehrmals, auch noch nach Jahren. Irrtümer berichtige ich ohne Zögern und ich scheue mich nicht, sie öffentlich einzugestehen, dass dürfte jeder Leser von Wein-Plus wissen. Nur werde ich meine Grundsätze, die auf Neutralität und uneingeschränkter Ehrlichkeit basieren, nicht aufgeben, egal wie hoch der Druck sein mag.

    Offenbar ist eines auch noch nicht genügend bekannt: es gibt seit 6 Jahren einen zweiten Verkoster, bis Mai dieses Jahres gab es sogar einen Dritten, und gerade eben suchen wir wieder nach einer Verstärkung des Verkosterteams. Alle Verkoster probieren auch deutsche Weine; an Nachproben nach Belüftung, wie sie bei uns laufend stattfinden und wie sie bei hochkarätigen Weinen bei uns absoluter Standard sind, sind zudem stets alle anwesenden Verkoster beteiligt.

    Du siehst, es ist keineswegs angebracht zu versuchen, Weine nach meinem vermeintlichen Geschmacksbild zu produzieren (ganz davon abgesehen, dass Du diese Aussage wohl kaum ernst gemeint hast). Das hapert schon daran, dass es so ein Geschmacksbild nicht gibt. Dafür gibt es bei uns 83-Punkte-Weine, die mir sehr schmecken und solche mit 88 Punkten, von denen ich kein Glas trinken möchte.

    Als Produzent brauchst Du übrigens nicht einmal ein Abo, um auch andere Bewertungen zu sehen. Zumindest alle Weine Deiner Region siehst Du auch so. Die älteren Wertungen ohnehin.

    Wir probieren erstens blind, zweitens wissen wir nicht, wer ein Abo hat oder nicht, drittens gibt es bei den Bewertungen bei uns grundsätzlich nicht nur keinen Namensbonus, sondern auch keine Gefälligkeiten an “gute Kunden”, so wenig wie an Freunde oder Personen mit herausragender Stellung in der Branche oder irgendwie gearteter besonderer Medienpräsenz.

    Manchmal ist es wohl sogar genau dieses Fehlen an Ehrfurcht und vorauseilendem Gehorsam, die den einen oder anderen großen Namen abschreckt, Weine anzustellen. Und damit meine ich jetzt nicht unbedingt den Namen Johner.

    Ich hoffe, ich konnte ein wenig zur Klärung beitragen.

    Mit herzlichen Grüßen

    Marcus Hofschuster

  • http://www.johner.de Patrick

    Vielen Dank an Alle für lieben, aufklärenden Kommentare. Und einen besonderen Dank an Marcus Hofschuster.
    Das Ziel dieses Blogartikels war den Winzern aufzuzeigen, wie schnell die Blogosphäre und das Web 2.0 auf solche Artikel reagiert.
    Selbstverständlich kann ich die Verkostungsnotiz nachempfinden und ich wußte auch dass es keinen Sinn mehr machen würde Weine mit diesen sogenannten “Fehltönen”, die im übrigen durch einen spontanen BSA entstanden, bei Wein Plus anzustellen. Seit unserer Schraubverschluss-Ära hat sich zwar einiges geändert… doch erst mit der Zeit und je nach Jahrgang schafft man es die Weine “sauber genug” hinzubekommen. Nur ist es eben unglaubwürdig, Jahrgangsmäßig nur einzusenden… Der 2005er Romanée Conti vor ein paar Wochen wäre wohl auch wegen seinem Duft nach Maissilage durchgefallen.
    Es ist nun mal Alles Interpretationssache…
    Der weitere Grund dieses Artikels war einfach das blinde Sammel-Ranking eines Onlineshops aufzuzeigen, welches wohl nicht in der Lage ist ein eigenes Urteil über Weine zu fällen. Ich werde bewusst keinen Link darauf reinsetzen ist nur unnötige PR.

    Leider gibt es jedoch genügend Winzer, die um jeden Punkt ringen und sich beraten lassen, damit Sie immer weiter aufsteigen. Also nicht unbedingt bei Wein-plus… aber da gibt es noch andere Publikationen…

    Zurück zu Weinplus hätte ich nach den Ausführungen von Marcus nur noch einen Verbesserungsvorschlag. Wenn Ihr schon zu Zweit oder gar zu Dritt verkostet, dann publiziert bitte die einzelnen Verkostungsnotizen mit Name des Verkosters. Kontroverse Weine bieten ein enormes Fesselungspotential für den Leser und verursacht mehr Traffic….
    … siehe diesen Blogartikel…

    Die schnelle Reaktion, Transparenz und Aufklärung, die Ihr, wie man hier sieht, mittlerweile perfekt beherrscht ist einfach bewundernswert und zeigt sehr deutlich, dass Ihr für die Zukunft des Internet absolut gewappnet seid.

  • Volker

    Falls sich der Wein damals so präsentierte wie oben geschildert, dann ist die Beurteilung und Bewertung doch nachvollziehbar.

    Vielleicht würde es mehr helfen, aufzuklären, warum es zu diesen vermeintlichen Fehltönen kam anstatt es nur dem Verkoster zuzurechnen?

  • http://wernerelflein.de Werner Elflein

    Hallo Patrick,

    ich nehme einmal an, du wolltest mit deinem Beitrag ein wenig provozieren. Weine für die Kritiker? Wo kämen wir denn da hin, beziehungsweise: Wo ist man in Bordeaux damit inzwischen hingekommen?

    Grundsätzlich halte ich es für eine schlechte Idee, Weinführer zu boykottieren, nur weil die Weine bei A nicht so gut bewertet werden wie bei B. Da muss meines Erachtens schon ein triftiger Grund vorliegen, warum man A (oder B) keine Weine mehr schickt.

    Mittlerweile gibt es jedoch an jeder Ecke fünf Weinführer. Das wäre an sich durchaus begrüßenswert, würde es darunter zumindest den einen oder anderen guten geben. Aber genau hier fängt doch das eigentliche Problem an. Es ist nicht in erster Linie eure Weinstilistik, sondern die Qualität der Verkoster, an der es etwas zu verbessern gäbe. Vorausgesetzt natürlich, die Weinqualität als solche stimmt, unabhängig von der Stilistik.

    Was schmeckbare Kohlensäure in einem Stillwein zu suchen hat, will sich mir allerdings auch nicht erschließen. Die macht nach meinen Erfahrungen den Wein mit Sicherheit nicht haltbarer. Eher geschieht das Gegenteil. Ab einer gewissen Kohlensäure-Konzentration schmecken die Weine dann nur noch scharf und sind auch durch Schütteln des Glases nicht mehr retten; eher wird’s dann noch furchtbarer.

    Viele Grüße
    Werner

  • http://pivu.wordpress.com/ pivu

    Heute Abend treff’ ich einen anderen guten Rotweinwinzer aus dem Badischen, mit dem ich mich zuletzt vor 2 Jahren länger unterhalten habe. Damals bemängelte ich die zu hohe Reife und den manchmal zu kräftigen Holzeinsatz seiner Weine, und er sagte mir, dass er mit dem damals aktuellen, heute abgefüllten Jahrgang wieder zur Stilistik seiner Beginnzeiten Mitte der 90er zurückkehrt. Und dass er als Jungwinzer damals Ende der 90er bis Mitte 2000 von scheinbar wichtigen Kritikern “in die Irre geführt” wurde, nämlich die Weine kompakter, alkoholischer und mainstreamiger zu machen. Auf das Ergebns bin ich gespannt.

  • http://www.originalverkorkt.de Christoph Raffelt

    Patrick,

    ich verstehe momentan nicht so ganz, was das Ganze soll. Winzer, die Blogs verfolgen wissen eh, wie schnell Blogs reagieren können und die anderen kriegen es auch weiterhin nicht mit.

    Und hier einen Test zu starten, um zu sehen wie wer auch immer für die Zukunft des Internet gewappnet ist und Lob auszusprechen hört sich für mich gerade ziemlich von oben herab an, sorry.

    Christoph

  • http://www.johner.de Patrick

    @volker Ich kenne so viele geniale Weine mit Fehltöne, die jedoch gerade den Reiz ausmachen. Wenn man nur AP Prüfung orientiert denkt dann bedeutet es eben weniger als 1,5 Punkte… und Ablehnung…
    Die Beschreibung der Aromen und die Zusammensetzung der geschmacklichen Eindrücke hat er ja perfekt beschrieben. Nur wunderte sich jeder über die sehr geringe Punktzahl. Und wieso erhielt der Wein in Neuseeland dann so viel Lob?

    @werner Sehr gut erkannt…
    nur wegen dem CO2… komisch, dass sonst niemand damals das CO2 bemängelte…

    @pivu Tja Werner hatte die Bevorzugung (aka bessere Bepunktung) von überholzten Badischen Weinen doch irgend wann einmal in einem Blogpost bemängelt…

    @Christoph Es ist viel wichtiger den Winzern klarzustellen, dass ein Blog genügt um sich in der Weinmedienlandschaft etwas Gehör zu verschaffen. Ehrlich gesagt hätte ich es niemals für möglich gehalten, dass Marcus so schnell reagiert. Darf ich Ihn dafür nicht gratulieren? Im Web 2.0 geht sehr vieles über Online-Reputation management. Erst neulich gab es einen Fall, bei dem man etwas länger auf eine Reaktion warten mußte.

    @All Bei der neuesten Umfrage von der Weinakademie Berlin ging es auch um die Frage, wie man den Erfolg eines Blogs messen kann. Ich denke, dass die Anzahl von Kommentaren eine sehr wichtige Aussage darstellt.
    Und dann sind wir ja auch noch bei weinblogger.mixxt.de sehr aktiv…
    Bei den Winzern gibt es eine Diskussion mit folgendem Thema…

    “Wie kritisch kann/will/soll/darf man bloggen, ohne sich selbst als Winzer zu schaden? Gibt es einen Interessenskonflikt zwischen dem Anspruch des kritischen Bloggers, der mit seinen Statements ernst genommen werden will und dem Bedürfnis des Winzers nach einem halbwegs intakten Draht zu den wichtigsten Meinungsbildnern?”

    Irgendwie hatte ich mich jetzt gefreut im kommendem Jahr unsere Weine an Wein-plus zu schicken um zu sehen, wie diese von den einzelnen Verkostern bewertet werden.

    Es geht ja im Titel um den Neuanfang…

    … und wer weiss, vielleicht schliessen sich eines Tages ein paar Weinblogger zusammen und etablieren einen eigenen neuen Weinführer…

  • http://www.weingut-braunewell.de braunewell

    ich finde man soll hier mal die kirche im dorf lassen. weinverkostungen können zum überblick und der neutralität beitragen, aber jeder von uns winzern braucht doch auch seine unabhängigkeit.
    meine weine sollen meinen kunden, und vor allem auch mir schmecken, was anderes kommt nicht in frage. mein produkt, mein name, mein wein, also auch für mich.

    eigentlich wollte ich was zur kohlensäure sagen.
    ich sehe das schon wie patrick. all unsere weißen, auch manche rotweine haben deutlich gärungskohlensäure, und wirken vielleicht zu bis mai/juni etwas “scharf”. wo andere weine langsam altern, trägt die co2 frische, frucht und aromen.

    ich finde also, das etwas co2, wenn sie natürlich aus der gärung kommt schon förderlich ist. man muss nur wissen, dass die weine eben länger brauchen, bis sie reif sind.

    mut zur kohlensäure!

  • Peter

    Hmmm, Kommentare als Gradmesser des Erfolges? Kritikerschelte in Blogs ruft Kommentatoren auf den Plan. Immer die selben. Seit Jahren. Mit immer den gleichen Beiträgen. Was ist daran fortschrittlich?
    Man gehe mal zu Würtz’ Blog und schaue die Kommentatoren der GM Diskussionen und die Inhalte ihrer Kommentare an.
    Bestätigt das nicht nur das Bild, dass die Weinbloggergemeinde winzig klein, chronisch unterbeschäftigt und wahnsinnig inzestuös ist?

  • http://www.johner.de Patrick

    @braunewell Vielen Dank für die Unterstützung bezüglich dezentem CO2

    @Peter Vielen Dank für dein Bloggerweltbild. Genau diese Kritikerschelte treibt auch die Verkaufszahlen von gewissen Weinführern in die Höhe! Wer immer nur still ist, der geht unter… Wer Profil zeigt, der wird eines Tages richtig ernst genommen… Einfaches aufrufen um Feedback bringt nichts!!! Man muß schon etwas extremer sein…

  • http://www.wuertz-wein.de Dirk Würtz

    @Peter

    Ich darf das mal zitieren: “Bestätigt das nicht nur das Bild, dass die Weinbloggergemeinde winzig klein, chronisch unterbeschäftigt und wahnsinnig inzestuös ist?”

    Was soll das denn heißen? Erklär mir das mal näher bitte.

    Die Tatsache, dass sehr oft die gleichen Leute kommentieren ist doch bitteschön kein Gradmesser für Inzucht. Das sind die wenigen Prozent, die sich trauen zu kommentieren. Aus denen derartige Rückschlüsse zu ziehen wie Du das machst ist sehr gewagt und nicht wirklich weitblickend.

    Es mag ja sein, dass Du so ein Bild hast, ob das allerdings der Realität entspricht möchte ich stark anzweifeln.

  • http://wernerelflein.de Werner Elflein

    Hallo Patrick,

    die Diskussion über die Kohlensäure kam seinerzeit auch in Düsseldorf während einer Abendveranstaltung zur ProWein auf. Wenn ich mich richtig erinnere, begründete damals dein Vater gegenüber Marcus Hofschuster den Kohlensäure-Einsatz lachend mit den Worten “Weil es sonst keiner macht”. Ich saß unmittelbar daneben am Tisch und habe diesen kleinen Disput schmunzelnd verfolgt. Es ist nicht so, dass mich die Kohlensäure damals massiv gestört hätte (da gibt es ganz andere Pappenheimer, die damit wirklich hoffnungslos überziehen), aber in der Sache war das eine Kritik, die ich durchaus nachvollziehen konnte. Ohne Kohlensäure (und ohne den leicht aufdringlichen BSA-Ton) wären die Weine bestimmt noch besser gewesen.

    Viele Grüße
    Werner

  • http://wernerelflein.de Werner Elflein

    @braunewell: Ich weiß ja nicht, wieviel Gärkohlensäure bei euch in den Weinen ist, weil ich euer Weingut nicht kenne, aber bisher ist mir noch kein Wein untergekommen, bei dem ich ein Zuviel an natürlicher Kohlensäure bemängeln musste. Ich will gar nicht ausschließen, dass das auch noch mal kommt, aber bisher war es stets nur die grobperlige zugesetzte Kohlensäure, die ich auch schon mehrmals angeprangert habe, weil sie in den Weinen oft wie ein Fremdkörper wirkt. Und es sind leider immer wieder dieselben Betriebe, die mir hier besonders unangenehm auffallen.

  • http://www.winerambler.net Julian

    Hallo Patrick und Diskutanten,

    auch nach der ganzen Diskussion ist mir immer noch nicht klar, ob es im Eröffnungsbeitrag um eine echte Wiederannäherung an Wein-Plus ging, oder nur um eine sarkastische Art, die Diskussion zu eröffnen. Letzteres wäre auch legitim, ersteres würde mich aber sehr freuen, denn ich halte viel von WeinPlus und bin jedes mal von neuem enttäuscht, wenn ich bei guten und interessanten Weingütern den gefürchteten Vermerk “aus Unzufriedenheit mit unseren Bewertungen…” lese. Drei miteinander zusammenhängende Anmerkungen hätte ich dazu:
    1. Ob private Weinblogger wie ich/wir wirklich gezielt über hoch bewertete Weine “nachberichten”? Ich denke, andersrum wird ein Schuh draus: Die meisten suchen halt nach Weinen, die bei relativ günstigen Preisen hoch bewertet sind, und glauben, dass ihr eigenes Finderglück und ihr privater Trinkgenuss dann auch der Welt mitgeteilt werden muss.
    2. Daraus wird dann ein kollektives Gezwitscher (noch) ohne journalistische Standards und auch ohne echte Transparenz. Da schließe ich mich/uns durchaus mit ein, aber denke eben auch, dass seriöse Weinführer als Gegengewicht und Korrektiv dadurch nur noch wichtiger werden. Und wenn jemand seine journalistische Integrität in hundert Diskussionen immer wieder dafür in die Waagschale geworfen hat, dass er blind verkostet und für die Verkostungen soweit “objektive” Bedingungen schafft, wie das eben überhaupt möglich ist, dann ist das Marcus Hofschuster.
    3. Und deswegen sollte man, wenn man über vermeintlich “subjektive” Ausreißer-Bewertungen diskutiert, schon auch an den umgekehrten Fall denken: Ausreißer nach oben, von Weingütern ohne große Namen. Denn wenn die ersten Sätze aus deinem Post stimmen, Patrick, dann haben die eben hier eine faire Chance, auf dem Weg über Weinführer-Bewertungen auch von den Bloggern entdeckt und etwas bekannter gemacht zu werden.

  • http://winzerblog.de Thomas

    …ich muß auch was schreiben!!
    Natürliche Gärungskohlensäure auszugasen ist in meinen Augen pervers!
    Für mich ist das Vorhandensein von CO2 ein Qualitätsmerkmal ist es doch Ausdruck schonender Kellerwirtschaft und gesundem Traubengut.

    Und wie man Weinverkoster wird, kann man bei Wein-Plus nachlesen, via Winzerblog:
    http://winzerblog.de/du-willst-weinguru-werden-1179/

  • http://pivu.wordpress.com/ pivu

    @Patrick: ["Tja Werner hatte die Bevorzugung (aka bessere Bepunktung) von überholzten Badischen Weinen doch irgend wann einmal in einem Blogpost bemängelt…"]

    Der wichtig(tuerische) Kritiker hieß halt nicht Werner sondern Rudi und zeichnet immerhin für den wichtigsten Rotweinwettbewerb des Landes verantwortlich. Ziemlich unglaublich eigentlich. Heute gibt’s von dem Winzer nur mehr Tafelwein, kräutrig-mineralisch und schlank statt Himbeersaft.

  • http://www.johner.de Patrick

    @Julian sehr gut erkannt! Deswegen Neuanfang. Zum Thema Weinbeschreibungen in den Blogs sehe ich sehr viele Weine von hochwertigen Kollegen darin. Ich nenne jetzt keine direkten Namen, nur wurde von uns im Vergleich dazu noch nicht so viel geschrieben… Das klingt jetzt natürlich extrem egoistisch von mir… Irgendwann werde ich wohl alle deutschsprachigen Weinblogs durchcrawlen und eine Statistik veröffentlichen, von welchem Weingut die meisten Weine veröffentlicht wurden. Mein Gefühl sagt mir das die GM Winzer des Jahres Weingüter das Rennen gewinnen werden…

    @pivu Ich glaube dieser Winzer ist echt bescheiden, wurde Jahrelang ignoriert und ist ein herzensguter Mensch… Und ein wahrhafter Qualitätsfanatiker.

  • Pingback: Wie sinnvoll sind Weinbewertungen? | Weinblog

  • alex

    Die Debatte zeigt doch mindestens eines: dass sich die ganze Wein-Bepunkterei selbst vollkommen ad absurdum geführt hat.

  • http://wernerelflein.de Werner Elflein

    Die Punkterei nicht, Alex, aber der Umgang mit ihr!