Verkostungsnotizen mit Profil und Zahlungsbereitschaft.

Es ist ein Thema, welches ich nicht in den Sommerferien beginnen wollte… doch jetzt kurz vor der Ernte gibt es noch ein wenig Luft um hoffentlich eine enorme Diskussion loszulösen.

Die großen Weinführer sind ja weitläufig bekannt. Bei den meisten ist die Teilnahme kostenlos und die Verlage bieten Sonderdrucke gegen Bezahlung an. Wie hoch der Lohn der einzelnen Verkoster ausfällt kann ich ich nicht beurteilen. Generell wurde ja schon viel über den Überlebenskampf des klassischen Weinjournalismus diskutiert und gegen Wein-Blogger geschimpft…

Dann gibt es noch Weinwettbewerbe, bei denen man gegen Gebühr seine Weine anstellen kann um Medaillen zu gewinnen oder eine Trophäe abzuräumen. Die einzelnen Verkoster Gruppieren sich zusammen, verkosten den Wein und der Durchschnitt Ihrer Wertung bildet die Wertung über den Wein. Die Qualität des einzelnen Verkosters geht in der Gruppe verloren, außer man würde auch individual Meinungen der Verkoster publizieren. Dies ist leider jedoch nicht der Fall.

Über Bewertungssyteme, abstrakte Verkostungsnotizen, minimalisierte Statements (z.B. schmeckt mir) wurde schon an anderer Stelle genügend diskutiert.

Ich will eine saubere, nachvollziehbare und ausführliche Verkostungsnotiz. Wichtig dabei ist auch eine Beschreibung der Entwicklung im Glas. Dadurch erhält man als Leser einen Einblick auf die Komplexität eines Weines. Es gibt ja zum Glück Institutionen, wo man sowas lernt und wo Profiverkoster jedem verkostetem Wein einen 3-Zeiler spendiert.  Jedoch verstehe ich vollkommen, dass solche Verkostungsnotizen aufwändig sind und der Verkoster dafür eine Entschädigung erhalten muß.

Für unsere Weine in Neuseeland haben wir den ersten Schritt in diese Richtung durchgeführt. Für diese Verkostungsnotizen haben wir gezahlt und Verkoster war Raymond Chan. Die Modalitäten findet man auf www.raymondchanwinereviews.co.nz

Dieses Konzept lässt sich auch in Deutschland durchführen. Natürlich werden dann auch Fragen aufkommen, wie z.B. dass der Verkoster “Alles” relativ überpositiv schreibt um dann von den Weingütern dann ständig Proben zugesandt zu bekommen. Allerdings nagt der Verkoster dann an seiner eigenen Reputation. Kontrollinstanzen, wie z.B. Kundenmeinungen oder die gesamte Websphäre mit Blogs, Foren usw. stehen jedoch bereit um solche Extreme zu entlarven und hoffentlich entgegenzuwirken. Langfristig werden sich jedoch hochseriöse Verkoster behaupten.

Ob der Verkoster dann ein eigenes Portal / Blog pflegt und die Verkostungsnotizen dort publiziert ist mir unwichtig. Wichtig ist allerdings, dass ich die Verkostungsnotiz verwenden darf z.B. für Weinbeschreibungen im Netz oder auf Preislisten, und dass auch meine Händler diese Weinbeschreibungen benutzen dürfen. Selbstverständlich dann gerne auch mit Backlink (also Hinweis) auf die Seite des Verkosters.

Für den Start würde ich gerne an 3 verschiedene Verkoster jeweils eine kleine Auswahl (12- 15 Flaschen) unserer Weine zusenden. Vielleicht könnte man sich auf eine Verkostungsgebühr von 10 Euro incl. MWSt pro Wein einigen.

Im Hinterkopf habe ich sogar schon meine Verkoster – Wunschkandidaten. Nur möchte ich erst einmal den Stein ins rollen bringen, Eure Meinungen zu diesem Thema erfragen, Eure Verkostervorschläge erhalten um dann loszulegen.

Als Erweiterung und Bestätigung der Kompetenz der besten Weinverkoster sehe ich eines Tages größere Veranstaltungen, wo Weine von so einem “Star” moderiert werden und das Publikum gleich live mitverkosten kann.

 

About Patrick

Patrick Johner
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  • Manuel Häringer

    Hört sich gut an! Viele Grüße aus Elzach

  • Patrick

    Hallo Michael,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Wieviel sollte denn so eine VKN idealerweise kosten?
    Die Problematik mit den Nutzungsrechten sehe ich ja auch…
    Allerdings würden jedoch Quellenhinweise und Backlinks die Position des Verkosters wieder verstärken.
    Deshalb kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es verschiedene Gebühren geben kann. Je nach Bekanntheit und ganz einfach Marktwert.
    Selbstverständlich muss dann ganz sauber zwischen “bezahlten VKNs” und normalen VKNs getrennt werden.
    Genau deswegen möchte ich dieses Thema ein wenig ins rollen bringen.

  • http://twitter.com/michaelliebert Michael Liebert

    Eine qualifizierte Verkostungsnotiz mit allen Nutzungsrechten für 10 Euro, das ist nicht ernst gemeint oder? Da kann man sich ja für jeden Wein so richtig viel Zeit nehmen…
    Ich kenne ja die Kaufkraft des Neuseeländischen Dollars nicht, aber laut dem Link kostet der Service in Neuseeland immerhin 20 € zuzügl. MWSt…

  • Werner Elflein

    Nein, er meinte 10,- € für alle zwölf bis 15 Weine. ;-)

    So wie ich die Geschichte auffasse, geht es Patrick wohl zunächst einmal eher um das Modell an sich als um einen konkreten Geldbetrag.

  • Patrick

    Vielen Dank Werner für den Hinweis… natürlich soll es pro Wein bzw. pro Verkostungsnotiz heissen. Blogartikel schreiben wenn andere im Hintergrund mit mir reden wollen geht einfach nicht…

  • Raphael

    In der Designbranche ist es durchaus üblich, die Nutzungsgebühren für das kreative/geistige Werk abhängig vom Nutzungsumfang zu kalkulieren. Auch für dieses Thema wäre das ein gangbares Modell, das vor Allem spannend wäre, wenn man sich auf eine Art Branchenkodex verständigen
    könnte …